Die Werkstatt
 Die Klemm Chronik

Bei unserer Vereinsmaschine Klemm 107B D-EFEZ steht eine komplette Grundüberholung an. Dazu wird der Flieger erstmal in Fluglage gebracht, alle wichtigen Maße und Einstellungen dokumentiert und ein erster Befundbereicht erstellt. Beim Entfernen der Lackierung und Bespannung sind die vielen fleißigen Helfer kaum zu halten. Schon nach kurzer Zeit können wir einen ersten Blick auf den Holzrumpf und die Tragflächenstruktur mit dem seltenen Rundholm werfen. Die Tragflächen der Klemm 107b lassen sich ähnlich wie auch bei Segelflugzeugen üblich einfach demontieren und könnten danach zum einfachen Transport des gesamten Flugzeuges seitlich am Rumpf aufgehängt werden.   

Der Motor, ein Lycoming 0320-A3B hat sich eine Überholung verdient. Nach 2 Std.sind alle Verbindungen zur Zelle getrennt und der Motor hängt am Kran. Hier ein Blick ins Cockpit auf’s Instrumentenbrett das im Laufe der Jahre auch immer weiter "modifiziert" wurde. Auch hinter dem Panel wartet noch viel Arbeit auf uns. Instrumentierung, Elektrik, Innenverkleidung, Polster und Steuerung werden ausgebaut uns Stück für Stück wieder aufgearbeitet. Nachdem es nun im November in unserer Flugzeughalle frostig kalt wird ist es auch Zeit für einen Umzug unseres Klemm Projekts.

Am 24.11.2009 ist es dann endlich soweit, wir können unsere neue Werkstatt, gegenüber dem Vereinsheim beziehen. Alle packen wieder kräftig mit an und nach 3 Std. ist alles bereit für den Einzug unserer Klemm. Jetzt können wir unter besten Bedingungen an die Arbeit gehen und die letzten Lack-und Bespannungsreste von den Rudern entfernen.

Hier ein Blick ins Seitenruder, wo man gut erkennen kann wie die Bespannung mit den Rippen vernäht wurde. Dort wo beim Abklopfen der Flügelnase lose Rippen entdeckt wurden, muss die Beplankung runter, damit die darunter liegenden schadhaften Leimstellen erneuert werden können. Überall da wo Leisten oder Beplankungen verbunden werden müssen ist "Schäften" angesagt. D.h. die zu verbindenden Teile werden zunächst keilförmig angeschliffen und dann miteinander verleimt. Beim Anschleifen lassen sich gut die einzelnen Sperrholzlagen erkennen. (hier im Bild 5-lagiges Sperrholz)

Schritt für Schritt arbeiten wir uns wie bei einer archäologischen Ausgrabung voran und sind nicht selten überrascht nach entfernen einer anfänglich nur für "etwas lockeren" Beplankung eine Art Bausatz aus scheinbar nur locker zusammengesteckten Leisten vorzufinden. So spielt uns der Klemm-Leim den ein oder anderen Streich und aus Kleinigkeiten werden schnell Großbaustellen. Ein solches Puzzle aus Kiefernleisten und Sperrholz wird zunächst sorgfältig zu dokumentiert. Danach muss der alte Leim in mühevoller Kleinarbeit abgeschliffen werden um die Teile später wieder zu einem tragfähigen Verbund zusammenfügen zu können.

Was nicht mehr zu retten ist wird neu angefertigt. Hier hat uns die EADS freundlicherweise mit Zeichnungen aus ihren Archiven unterstützt. Inzwischen sind alle Rippen wieder an Ihrem Platz und die beiden Tragflächen warten darauf ihre Nasenbeplankung zurück zu erhalten. Auch an der Seitenflosse sah es so aus als wäre nur eine lose Beplankungsecke nach zu leimen… Doch dann ließ sich das gesamte teil ohne größeren Kraftaufwand in seine Einzelteile zerlegen.

Um das Gerippe beim Wiederaufbau zu stabilisieren war hier sogar eine kleine Helling nötig. Inzwischen hat sich ein eingespieltes Werksattteam gebildet, welches jeden Dienstag an unserer Klemm werkelt. Fragen nach dem Fertigstellungstermin werden mit einemüberzeugenden: "Im Sommer fliegt Sie!" beantwortet. (Man muss ja nicht das Jahr nennen.) Parallel wird an den verschiedenen Baugruppen gearbeitet. Während der Eine Leiste für Leiste das Höhenruder wieder aufbaut. Ist der Wiederaufbau des Seitenruders und der Querruder fast beendet.

Die Rippen der Seitenflosse sind nicht zu retten. Hier ist der Neuaufbau die bessere Lösung.

Die Struktur des Seitenruders und der Querruder ist inzwischen wieder aufgebaut. Alle Flächen die später bespannt werden sollen werden
mehrfach mit Klebelack gestrichen bis sich eine glänzende Oberfläche ausbildet auf die später die Bespannung aufgebracht wird.

Die zum Bespannen vorbereiteten Teile.

Um die Tragflächen in die richtige Position für die anstehenden Beplankungsarbeiten zu bringen werden spezielle Böcke benötigt. Deshalb muss erst mal zu Flex und Schweißgerät gegriffen werden.

Mit heißem Wasser werden die neuen Beplankungsfelder flexibel gemacht und dann mit Spanngurten auf die Tragfläche aufgezogen

Auf der Innenseite der vorgebogenen Beplankungen wird vor der Verklebung mit den Rippen ein Schutzlack aufgebracht.

Stück für Stück werden die neuen Beplankungsfelder aufgeleimt und dann die Übergänge verschliffen. Langsam schließt sich so die Fügelnase wieder.

Auch der Flügel-Rumpf Übergang wurde komplett neu aufgebaut und ist nun fertig.

Am 27.12.2011 ist es dann soweit, die letzte Beplankung ist aufgebracht und beide Flügelnasen sind wieder komplett geschlossen. 2012 geht's dann an Steuerungseinbau und Bespannung.


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